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NIcht
Abgedroschen
Nachhaltig und ökologisch, aber Keineswegs selbstverständlich: Außenwände, die mit Stroh gedämmt werden.

troh als ­Dämmmaterial – das können sich wohl die wenigsten sofort vorstellen. Was ist mit Schimmel und Mäusen? Wie steht es um die Brandgefahr? Und lohnt sich das überhaupt in Bezug auf die Kosten? Das sind die spontanen Fragen, mit denen sich auch Adina Lange, Vorstandsmitglied beim Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. (FASBA), häufig konfrontiert sieht. Sind diese Zweifel berechtigt? Und wie funktioniert so eine Strohdämmung eigentlich?

„Stroh wird vor allem in der Außenwand verwendet, da eine Holzbohlenständerwand mit Strohballendämmung den Vorteil hat, dass sie direkt verputzt werden kann“, erklärt die Zimmerin und staatlich geprüfte Bautechnikerin Lange. „Dabei wird außen ein dreilagiger Leichtkalkputz angebracht. Darunter befindet sich die Holzkonstruktion mit Putzträger und komprimierten Strohballen als Gefachdämmung, dann kommt innen wieder ein dreilagiger Putz. Dieser kann aus Lehm sein und wird ebenfalls direkt auf das Stroh aufgebracht.“

„Strohbau“
Holzständerelemente werden bereits vorab mit der Strohdämmung versehen
Werkstoff von Mutter Natur
Auch die Decken, die rund 3.200 Quadratmeter Fläche umfassenden Außen- und Innenwände, die 2.000 Quadratmeter große Dachfläche und drei Treppen bestehen aus Holz. Und die neun Meter hohe Kuppel, die als krönender Abschluss auf die Deckenkonstruktion gesetzt und mit Blattgold überzogen wird, besteht ebenfalls aus dem Werkstoff von Mutter Natur. Rundungen, Krümmungen und präzise verschraubte, in großen Teilen von SPAX gelieferte Verbindungen: Für die planerische und bauliche Umsetzung der zahllosen Holzbauelemente war die Firma Blumer-Lehmann AG verantwortlich. Als führendes Schweizer Holzbauunternehmen hat die BlumerLehmann AG in Zusammenarbeit mit Architekturbüros wie Foster + Partners oder dem Büro Herzog & de Meuron schon spektakuläre  Free-Form-Holzbauten auf der ganzen Welt realisiert. Bei dem „New Mosque Project“ betraten aber auch die Holzbauspezialisten Neuland. Welch hoher technischer Aufwand dahinterstand, erläutert Projektleiter Jephtha Schaffner: „Die einzelnen Holzbauelemente fertigten wir in unserem Werk in der Schweiz auferschiedenen Produktionsanlagen und in unterschiedlicher Holzbauweise an.“ Diese Vielfältigkeit an Elementen bedinge eine absolut präzise Koordination von Produktion, Montage und Logistik. 80 Lastwagenladungen mit knapp 3.800 einzelnen Bauelementen wurden so auf eine siebentägige Reise vom schweizerischen Gossau ins 1.500 Kilometer entfernte Cambridge geschickt.
Die Kosten rechnen sich
So fachgerecht verbaut, sind auch die eingangs erwähnten Fragen schnell hinfällig. Denn die gepressten Ballen und der Putz halten sowohl Ungeziefer als auch Feuer ab. Einzig in der Bauphase muss darauf geachtet werden, dass das Stroh vor Feuchtigkeit geschützt wird. Das (und vieles andere) regelt die Strohbaurichtlinie, nachzulesen ­ unter http://fasba.de/die-strohbau-­richtlinie-2014. Wie steht es aber um die Kosten?
„Den Kostenvergleich muss man im Hinblick auf die gesamte Außenwand betrachten. Die reinen Materialkosten belaufen sich auf rund 30 bis 50 €/m²“, schätzt Lange. Das ist im Vergleich zu „herkömmlichen“ Dämmmaßnahmen nicht billig, aber: Die Materialkombination aus Stroh, Lehm und Holz sorgt zusätzlich für eine optimale Feuchte regulierung, klimatisiert das Gebäude je nach Jahreszeit und schafft ein unvergleichliches Raumklima. Und das ist (fast) unbezahlbar.
„Eine Stroh-dämmung kann direkt verputzt werden.“
Adina Lange, Vorstandsmitglied beim Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.
Kontakt:
Fachverband Strohballenbau
Deutschland e.V. (FASBA)
Telefon: 04231 9602545

http://fasba.de