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Das schnellste Holzhaus der Welt

Lediglich 1,90 Sekunden brauchte die Red-Bull-Crew 2019 beim Formel-1-Grand-Prix im englischen Silverstone, um die Reifen am Boliden ihres Fahrers Pierre Gasly zu wechseln. Damit war der Boxenstopp der schnellste Service, der jemals offiziell gestoppt wurde. Ganz so schnell geht der Aufbau der neuen Red Bull F1 Energy Station zwar nicht, aber mit gerade einmal 2,5 Tagen ist er dennoch rekordverdächtig schnell erledigt. Fünf Minuten brauchen die Monteure im Schnitt für jedes einzelne Bauteil – egal ob Stütze, Binder oder Balken –, um
die Energy Station vom Lkw abzuladen und zu montieren.
Wenn alles fertig aufgebaut ist, werden darin die beiden Formel-1-Teams Aston Martin Red Bull Racing und Scuderia Toro Rosso sowie deren Gäste während der Rennen rundum versorgt. Das Haus beinhaltet neben Aufenthaltsräumen für die Fahrer auch Physiotherapieeinrichtungen, Marketing- und Besprechungs-
bereiche sowie Büros für die Teamchefs und ein großes Bewirtungszentrum.
Das Planungsbüro Claudio Hatz entwarf mit der Energy Station einen mobilen Holzskelettbau auf Basis eines Stützen-Träger-Systems mit 32 m Länge, 14 m Breite und 11 m Höhe sowie insgesamt
1,221 m2 Nutzfläche
200 mal
Rund
kann die Energy Station in den nächsten zehn Jahren auf- und abgebaut werden.

Bergpanorama aus Holz

Bereits 2016 sollte das neue Gemeindezentrum für die Schweizer Gemeinde Le Vaud fertiggestellt werden. Doch einen Monat vor der Eröffnung wurde das gesamte Gebäude bei einem Brand zerstört. Jetzt ist der Bau der Schweizer Architekten Lokalarchitecture fertiggestellt.
Die Kubatur des Gebäudes eifert der Bergsilhouette nach – mit parallelen Giebel-dächern und einer aufgestellten Krempe an den zwei langen Seiten. Licht strömt von allen vier Seiten in den Innenraum. Die Längsseiten sind vollflächig verglast. Hier dient die Auskragung des Daches im Norden als Wetterschutz und im Süden als Sonnenschutz.
Als Ort für Sportunterricht, Vorführungen aller Art und Gemeindetreffen ist das Gebäude Teil der öffentlichen Infrastruktur von Le Vaud. Es ergänzt die Räume der Schule und schafft auch neue Möglichkeiten für die umliegenden Dörfer. Die hohe gestalterische Qualität der Holzarchitektur hat auch die Jury des International Wood Award 2019 überzeugt: Im April 2019 wurde das Gemeindezentrum auf dem Forum „Bois Construction“ in Paris mit dem internationalen Holzbaupreis ausgezeichnet.

Bücherwürmer statt Holzwurm

Wenn neue Ideen auf alte Bausubstanz treffen, dann ist das immer spannend! So spannend, dass es sich bei Gelingen immer auszahlt. Dem baulichen Erbe mit Rücksicht und Respekt zu begegnen, dabei den Charakter des alten Stadels im Zentrum von Kressbronn zu erhalten und ihn mit möglichst wenigen, wohldurchdachten Eingriffen in ein modernes, offenes Haus zu transformieren waren die Leitgedanken für diesen Entwurf des Stuttgarter Büros Steimle Architekten. Das sah die Jury des Deutschen Holzbaupreises 2019 beim Entwurf und der Umsetzung der Bücherei Kressbronn als preiswürdig an und verlieh dafür den Preis für „Bauen in Bestand“. Mit einem nach oben offenen Foyer empfängt das Haus seine Besucher und unterstützt damit die Kommunikation und Begegnung. Als Mehrzweckraum, Ausstellungsfläche und 24-Stunden-Bibliothek kann das Erdgeschoss vielseitig genutzt werden. In der darüberliegenden Bücherei sind offene Blicke durch das gesamte Gebäude möglich.