Reportage
Spielen und
Verarbeiten
Der Verein KuKuk Kultur baut Container zu Spielräumen aus und verschickt sie in Krisengebiete. Einer ging nach Xhanke in den Nordirak. Dort soll er rund 250 Kindern, von denen viele Traumata erlitten haben, ein Stück
ihrer Unbeschwertheit zurückgeben. SPAX hat den Verein beim Bau unterstützt.

utschen, klettern, Sandkuchen backen: Was in Deutschland zum Kindsein dazugehört, ist in manchen Krisenregionen undenkbar. „Dabei braucht jedes Kind einen geschützten Raum, in dem es spielen und sich sorgenfrei entfalten kann,“ sagt Bianca Elgas, Geschäftsführerin von KuKuk Kultur. Der Verein aus Stuttgart hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, dort Spielflächen zu errichten, wo sie am dringendsten benötigt werden: An Orten, die von Terror, Krieg oder Naturkatastrophen gezeichnet sind – Orte wie Xhanke. Das Dorf im Norden Iraks beherbergt bis heute tausende Jesiden, die 2014 ihre Heimat im Sindschar-Gebirge verlassen mussten, aus Angst vor dem Genozid durch die Terrormiliz IS. Darunter viele traumatisierte Kinder.

Engagiert
Bianca Elgas baut mit ihrem Team Spielplätze in Krisengebieten.
„Wir glauben
an die therapeutische Wirkung des
SpieLens.“
Bianca Elgas, Geschäftsführerin KuKuk Kultur
Spielplatz aus der Kiste
KuKuk Kultur wurde 2009 offiziell gegründet. Seit 2004 fanden jedoch auch schon unter anderem Namen soziale Spielraumprojekte im Ausland statt. Der allererste Einsatz war der Aufbau eines multiethnischen Kindergartens in Sarajevo. Eine Herzensangelegenheit für den Vereinsgründer Bernhard Hanel, der nicht länger untätig auf die Spuren blicken wollte, die der Krieg im ehemaligen Jugoslawien hinterlassen hatte. Bianca Elgas hat 2015 die Geschäftsführung übernommen. Bisher konnte der Verein weltweit insgesamt 90 Projekte umsetzen. „Wir arbeiten eng mit Notfall- und Traumapädagogen zusammen und glauben an die therapeutische Wirkung des Spielens,“ sagt Elgas. Für Kinder sei ein Spielplatz nicht nur ein Ort zum Spielen, sondern ein Erfahrungsraum, in dem sie lernen und verarbeiten können.
Angetrieben vom Wunsch, den Kindern in Xhanke zu helfen, begann für sie und ihr Team 2017 die Suche nach Partnern und Sponsoren für den Bau der sogenannten KuKuk-Box – und begeisterte unter anderem SPAX für die Idee. Hinter dem Namen KuKuk-Box verbirgt sich eine Spielstätte, die extra für Einsätze in Krisengebieten entwickelt wurde. „Ein umgebauter Überseecontainer, der ausgestattet ist wie ein vollwertiger Spielplatz,“ erklärt die 28-Jährige. Container lassen sich dank ihrer Form kostengünstig über Land- und Seewege verschicken. So bleibt der Spielplatz mobil, kann eingepackt und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Weiteres Plus: Aufgrund ihrer stabilen Rahmenbauweise sind sie Basisverankerung, Grundgerüst und Spiel- und Freizeitanlage in einem. Entsprechend schnell ist die KuKuk-Box installiert.
An die Umsetzung ging es im Februar 2018. Eine Gruppe Erstsemester-Studenten der Leuphana Universität Lüneburg half dem Verein beim Umbau. Drei Tage lang wurde gesägt, geschliffen und montiert. Entstanden ist ein Spielcontainer-Bausatz, bereit für den LKW-Transport. Mit dem Container im Schlepptau, reiste ein vierköpfiges Projektteam, darunter Bianca Elgas, zum Aufbau in den Nordirak. Lokaler Kooperationspartner ist das Our Bridge-Waisenheim, das sich um viele der traumatisierten Kinder in Xhanke kümmert, sowie die Traumapädagogische Abteilung der Freunde der Erziehungskunst, die seit 2013 in der Region um Dohuk aktiv sind.
Schnell
Nach nur vier Stunden ist der Spielcontainer fertig.
„Schrauben sind für die Projekte essentiell.
Pro Spielplatz
brauchen wir an die 2.000 Stück.“
Wo sich SPAX
außerdem
sozial engagiert:
Deutsch-bolivianisches
Architektur-Projekt

SPAX unterstützte 2017 ein Team aus
Architektur-Studenten der Technischen Universität Berlin beim Bau einer Landwirtschaftsschule in Bella Vista, Bolivien. Der Neubau dient inzwischen über 70 Schülern des Fachs Agrarwissenschaft als Ganztagsschule und Internat. Hintergrund des Projektes ist die Armutsbekämpfung in
den ländlichen Regionen Boliviens. Denn: Im ärmsten Land Südamerikas ist ein Großteil der Bevölkerung nach wie vor in der Landwirtschaft beschäftigt.

Wasseraufbereitungsanlage Uganda
Im selben Jahr bauten deutsche
Ingenieure in Uganda eine Wasser-
aufbereitungsanlage, bei der
SPAX-Schrauben zum Einsatz kamen.

Geflüchtete im Praktikum
In Zusammenarbeit mit dem „Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung“ (KOFA),
hilft SPAX Geflüchteten dabei, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren.
Bei dem Projekt kehren Ausbilder im
Ruhestand in die Lehrwerkstatt zurück, um Flüchtlinge im Rahmen eines Praktikums in die Metalltechnik einzuführen.
Nachhaltige Materialien
In Xhanke angekommen, baute das Team mit den Kindern eine Schaukel, ein Klettergerüst, eine Balancierstrecke und ein Sonnensegel. „Als Hauptmaterial haben wir Robinienholz verwendet. Das ist neben der Eiche das beste Spielplatzholz, welches wir in Europa haben.“ Es ist stabil, muss nicht behandelt werden und hält im Idealfall bis zu 30 Jahre. Der Aufbau des Spielcontainers dauerte dagegen  nur vier Stunden. Der buchstäbliche finale Anstrich kam vom Kunstprojekt des Waisenhauses. Die bunte Gestaltung bildete den Abschluss des Projekts. „Die gemeinsame Zeit, die wir beim Aufbau hatten, konnten wir außerdem dazu nutzen, den Kindern das Freispiel mit losen Materialien näher zu bringen.“  20.000 Euro kostet der Umbau eines Containers im Schnitt. „Da wir uns fast ausschließlich durch Crowdfunding finanzieren, sind Sachspenden eine echte Arbeitserleichterung.“ Bianca Elgas präzisiert:  „Schrauben sind für die Projekte des Vereins essentiell. Pro Spielplatz brauchen wir an die 2.000 Stück“. Seit vier Jahren deckt SPAX den Jahresbedarf des Vereins, sodass inzwischen Spielplätze überall auf der Welt, darunter in Nigeria, Bosnien, Ungarn, Polen und eben auch im Irak von SPAX-Schrauben zusammengehalten werden.
Die Deutsche Bianca Elgas will mit ihrer Arbeit Kindern etwas zurückzugeben, die aus weniger privilegierten Verhältnissen stammen. „Wir retten nicht die Welt, indem wir Spielplätze bauen. Aber vielleicht machen wir sie damit für die Kinder ein bisschen besser“, hofft Elgas. Der Spielcontainer in Xhanke wird jedenfalls sehr gut angenommen: Täglich spielen dort etwa 250 Kinder, die zum Teil aus dem Waisenhaus und zum Teil aus dem benachbarten Flüchtlingscamp kommen.
Bianca Elgas, Geschäftsführerin KuKuk Kultur